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Falko

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Donnerstag, 6. Dezember 2012, 14:23

Es war einmal ...

Aus den Briefen des Baldebrecht aus Cölln an seinen Bruder Manegolt.

Zitat

Anno Domini 1288, den 1. Juni
...
Seit fünf Jahren rauben und plündern sich die Heere dieser Hochwohlgeborenen durchs Land. Dem HErrn sei es gedankt, dass unsere Heimatstadt gute Mauern besitzt und von direktem Schaden verschont ward. Vor fünf Tagen schloss sich der Rat nun Ihrer Hoheit, dem Herzog von Brabant an. Schon unsere Altvorderen setzten sich für mehr Freiheiten für uns Cöllner ein. Nun haben wir uns offen gegen die Hochwürdigste Exzellenz, den Erzbischof gewandt. Der HErr möge uns beistehen .

Derzeit belagern wir Worringen.
Ich sehe so viele Söldner hier, dass ich übermütig sein müsste, aber wenn ich an die bevorstehende Schlacht denke, verspüre ich nur Sorge. Der Übermut ist wohl eine Eigenschaft der jungen Leute.
...
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Charlotte« (6. Dezember 2012, 22:15)


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Sonntag, 9. Dezember 2012, 00:34

Aus den Briefen des Baldebrecht aus Cölln an seinen Bruder Manegolt.

Zitat

Anno Domini 1288, den 7. Juni
...
Ich lebe.
Die Schlacht ist vorüber, und wir haben gewonnen. Diese Nachricht wird Euch gewiss vor meinem Brief in Cölln erreicht haben. Leider blieben zahlreiche unserer Getreuen auf dem Schlachtfeld. Lasst uns hoffen, dass der Einsatz es wert war. Bitte verteilt in meinem Namen 500 GS an die Armenhäuser und Spitäler, um die vielen Witwen und Waisen zu unterstützen. Der HErr möge ihren armen Seelen gnädig sein. Amen.

Sicherlich seid Ihr an einer Zusammenfassung des Geschehens interessiert.
Vor drei Tagen erreichte uns Kunde, dass das Heer des Erzbischofs keine Tagesreise entfernt liegt. Tags darauf marschierten die Truppen in Sichtweite auf. Am Anfang der Schlacht musste ich aus der Ferne tatenlos zusehen, wie die Reiterei des Erzbischofes in die Reihen unserer Milizen stoß, viele meuchelte und letztendlich in die Flucht zwang.
Der Trupp, dem ich zugeordnet war, hielt sich bis weit nach dem höchsten Stand der Sonne zurück, um dann zusammen mit den Reitern des Grafen von Berg, einem Haufen Bauern, sowie den Resten der Miliz in die Flanke der gegnerischen Truppen vorzustoßen.

Vorher hat Walter Dodde unsere Milizen aufgestachelt, dass sie wie Barbaren in die Reihen der Feinde rannten, und dies zeigte Wirkung.

Dies war nicht mein erstes Scharmützel, aber ähnliches hatte ich noch nie im Leben geschaut. Bauern und Milizen schlugen auf alles ein, was ihnen im Weg stund, egal ob Feind oder Freund. Sie eroberten sogar den Fahnenwagen Ihrer Erzbischöflichen Gnaden. Ungefähr ab dem Zeitpunkt wendete sich das Blatt, und des Erzbischofes Truppen flohen in alle Richtungen.

Mein Trupp machte dabei einen guten Fang.
Sicherlich werdet Ihr Otto II. von Geldern kennen, war er doch eine Zeitlang Schirmvogt unserer Stadt. Nun wandte sich sein Sohn Rainald gegen uns, und wir fingen ihn auf der Flucht ab. Einige Patrizier meinten, er habe den Beinamen "der Streitbare", und ich konnte mich überzeugen, dass er ihn zu Recht trägt. Leider darf man Hochwohlgeborene nicht genauso behandeln wie unsereins, wenn sie sich anmaßen zu … aber das in hier in Worte zu fassen, verbietet mir der Anstand.

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Sonntag, 16. Dezember 2012, 16:22

Aus dem Tagebuch des Rainald von Geldern:

Zitat

Anno Domini 1292, den 16. Dezember.
...

Mittlerweile sind meine Wunden komplett geheilt. Zumindest alle körperlichen Wunden.
Man sollte denken, dass Ihre Hochwürdigste Exzellenz, der Erzbischof, genug göttlichen Beistand habe. Dass sich Adolf gegen einen königlichen Beschluss zur Hoheit über Limburg auflehnt, ist schon ein Unding. Und dass er nun auch ihn mit Gewalt holen wollte (... nun ja, genutzt hat es ihm ja nicht viel).

Wie bereits geschrieben, ward ich durch Johann gezwungen, Limburg aufzugeben, um mich aus den Ketten zu befreien. Schlimmer als der Verlust Limburgs wiegt die erzwungene Verpfändung meiner Heimat an Guido. Glücklicherweise wird diese Schmach bald vorüber sein. Und mein Land wird wieder unumschränkt mir gehören.
...

Fortsetzung folgt!
____________________________________
Historische Anmerkungen:
Adolf: Graf Adolf V von Berg.
Johann: Herzog Johann I. von Brabant
Guido: Graf Guido von Flandern
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Donnerstag, 20. Dezember 2012, 05:06

Aus dem Tagebuch des Rainald von Geldern:

Zitat

Anno Domini 1297, den 20. Dezember.
...
Heute versetzte mich erneut einer meiner Vertrauten. Seit ungefähr einem Jahr schrumpfte die Anzahl meiner Verbündeten weiter.
Dazu kommt, dass ich persönlich meine Gefolgsleute kontrollieren muss, damit sie durchgreifen und meine Einnahmen sichern.

Ich bitte den HErrn um neue Kraft.
...
Hab meinem Sohn eine Tracht Prügel verpasst; was erlaubt er sich, Widerworte zu geben. Habe in der Bibel die Sprüche Salomos gelesen: Torheit steckt dem Knaben im Herzen, aber die Rute der Zucht wird sie fern von ihm treiben. So soll es gut sein.
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Sonntag, 23. Dezember 2012, 08:02

Aus dem Briefen des Baldebrecht aus Cölln an seinen Bruder Manegolt.

Zitat

Anno Domini 1298, den 12. Juli.
... aber genug vom Geschäft. Ihr erinnert Euch sicher an meine Berichte zu der Schlacht bei Worringen, wie damals Rainald von Geldern gefangen wurde, als er wie ein feiger Hund fliehen wollte.
Er wurde mittlerweile aus seinem ureigenen Land vertrieben.
Das hätte mir ja nur ein Schulterzucken und möglicherweise ein Schmunzeln entlockt. Allerdings besaß er wohl genug Kontakte oder Geld, um den Rat davon zu überzeugen, ihm Asyl zu gewähren. Die Entscheidung war knapp. Was aber die Mehrheit zu diesem Entschluss bewegen konnte, jemandem Unterschlupf zu gewähren, der vor weniger als zehn Jahren noch ein Gegner in der Schlacht war, die uns von der Herrschaft des Erzbischofes befreite, verstehe ich bis heute nicht.

Dieser *unleserlich* Mensch stolziert nun also in unserer Heimatstadt herum. Und nicht nur das. Er gibt Unmengen von Geld aus, um Waffen anzusammeln. Mit Waffengewalt will er in seine Ländereien zurückzukehren. Ich hielte ihm nur zu gerne das Stadttor auf, damit wir ihn loswürden. Seit mehreren Monaten sammelt er Söldner an, oder sollte ich sie eher Gesindel nennen. Und diese Leute haben nichts besseres zu tun, als unsere ehrlichen Bürger zu beschimpfen und zu bestehlen. Vor zehn Jahren starben viele hunderte Kölner Bürger. Und nun müssen wir uns von den Hörigen dieser Person so behandeln lassen. Allerdings arbeite ich seit einiger Zeit daran, den Rat umzustimmen, und morgen ist Ratssitzung.
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Sonntag, 30. Dezember 2012, 16:22

Aus dem Tagebuch des Rainald von Geldern:

Zitat

Anno Domini 1299, den 15. September.
...
Seid gut einem Jahr lebe ich nun in Lübeck. Ich erkannte, dass ich ein Gespür für gute Geschäfte habe und in der letzten Zeit die wenigen Mittel, die mir nach meiner aufgezwungenen Abreise verblieben waren, verdreifachen konnte. Meine gesamten Investitionen, um mein Land wieder unter meine Kontrolle zu bekommen, sind damals ja in Rauch aufgegangenen.
Hier in dieser Stadt kommt der Respekt nur, wenn man Geld hat. Meine angeborene Würde wird komplett ignoriert, ist sogar Grund zum Spott! Einige Fernkaufleute boten mir einen kostenlosen Umzug nach Hamburg an. Zu Hause hätte ich die dafür in Ketten gelegt. Die dortigen Bürger haben nicht nur keinen Fürsten, sondern sogar ein Gesetz geschaffen, dass Adlige wie unsereinen zwingt, ihren Titel abzugeben, um Bürger zu werden. Unsere gottgegeben Titel abgeben ... es ist ein Wunder, dass die Stadt noch nicht durch eine Sturmflut versenkt wurde! Wenn sich die Menschen weiter so gegen die göttliche Ordnung auflehnen, wird das Jüngste Gericht nicht mehr lang auf sich warten lassen.

Mittlerweile kann ich mir sogar wieder einen kleinen Trupp Getreuer leisten, die mir durch ihre Überredungskunst weitere Einnahmen zufließen lassen werden. Zusätzlich habe ich mein Auge auf einen gewieften Verwalter geworfen, der es mir ermöglichen könnte, die Handelspreise hier in der Stadt in gewissen Grenzen zu manipulieren. Aber dazu muss ich erst eigene Handwerksbetriebe aufbauen; das wird wohl das nächste Jahr in Anspruch nehmen.
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Montag, 31. Dezember 2012, 10:01

Aus dem Tagebuch des Rainald von Geldern:

Zitat

Anno Domini 1300, den 9. Mai.
...
Wenn ich es nicht schriftlich hätte, dass ich sündenfrei bin, würde ich sagen, dass Gott der HErr mich straft, aber so wird es wohl der Teufel oder Hexenwerk sein, das mir immer wieder diese Schicksalsschläge verabreicht. Es gibt scheinbar viele Kaufleute hier, die eifersüchtig auf meinen Aufstieg sind.
Es haben sich nun im Hansetag mehrere Städte zusammengetan und mir grundlegende Rechte genommen! Diese boshafte Tat wurde damit begründet, dass ich Sabotage und Preistreiberei betrieben hätte. Als ich kurz danach zu einer Reise nach Rostock aufbrechen wollte, wurde mir dies gar verboten! Die Händler befürchten, ich könnte mich mit meinem bisherigen Vermögen in eine der anderen Hansestädte aufmachen, die den Beschluss noch nicht erhalten haben. Schlimm genug, dass ich hier festsitze. Der Beschluss wird die Wiederherstellung meines Vermögens sehr erschweren. Und da Vermögen hier mit Macht gleichzusetzen ist, muss ich versuchen, trotzdem irgendwie voranzukommen.

Hier eine Abschrift der wichtigsten Teile des Beschlusses.

Zitat

...
Vertreten sind die Städte des Wendischen Städtebundes, Reval, Hamburg, Coelln, Bremen sowie ein Vertreter des Kaufmannes zu Bergen.
...

6. Lübeck verlangt Bestrafung und rigorose Beschränkung von Privilegien für den Grafen von Geldern.
Durch massive Preismanipulationen korrumpierte der Graf von Geldern den Salzpreis für mehrere Wochen solchermaßen, dass viele Händler große Verluste machten und schuldlos ins Elend stürzten. Weiterhin wurden ehrenhafte Händler durch körperliche Attacken und Sabotage zu finanziellen Zugeständnissen sowie Aufgabe von Wohn- und Produktionsbauten gebracht.
Der Graf von Geldern zeigte mehrmals, dass er sich nicht den hanseatischen Kaufmannsregeln zu unterwerfen gedenkt.

Folgende Strafen werden verlangt:
Enteignung aller Wohn- und Produktionsgebäude. Geldentschädigung in Höhe von 218 653 GS für die betroffenen Händler der Preistreiberei von 1299. Hanseweiter Entzug der Bauprivilegien für Wohn- und Produktionsbauten. Sollte der Graf von Geldern gegen die hanseatischen Kaufmannsregeln verstoßen, werden alle Besitztümer gepfändet, und ein Bann über ihn in allen hanseatischen Städten wird verhängt.

Die Vertreter von Köln und Danzig unterstützen den Antrag.
Köln ergänzt, Lübeck möge dafür Sorge tragen, dass der Graf von Geldern sich und seine Besitztümer nicht aus Lübeck entfernen kann, bis der Beschluss in allen Hansestädten verbreitet ist. Das kommt einem Hausarrest in Lübeck von acht Monaten gleich, den der Herr Graf zu befolgen hat.

Kein Widerspruch durch Vertreter anderer Städte.
Der Antrag wurde angenommen. Gegeben und unterzeichnet, etcpp.

...


Ich darf also nichts bauen, was mir Geld bringt - weder Miete noch Waren. Soweit ich weiß, bin ich der einzige, dem je so etwas hanseweit aufgebürdet wurde. Es wird auch wohl kaum möglich sein, die Regeln bezüglich meiner Handlungsweisen zu umgehen. Die Sanktionen sind zu hart, um das Risiko einzugehen.

Nach einigen Tagen fand ich einen Weg, diesen Beschluss zu umgehen. Ich muss mich an die Spitze der Hanse setzen und kann dort mit genug Unterstützung weiterer Städte diesen Beschluss beenden. Alle bisherigen Eldermänner haben wenigstens eine signifikante Produktion in ihren Heimatstädten besessen. Ich kann mir das nicht aufbauen, aber ich kann andere Dinge bauen. Wenn ich zwischen zwei Hansestädten einen Landweg einrichte, bringt mir dies vermutlich die Dankbarkeit und Stimmen der beiden Städte. Schon in der römischen Zeit wurden die Erbauer von Straßen häufig später Konsul. Zusammen mit den beiden Städten und neu gewonnenem Ansehen durch Handel mit möglichst vielen Städten sollte es machbar sein, Eldermann zu werden, um diesen schmählichen Beschluss zu Grabe zu tragen.
...

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